Montessori & Minimalismus – Teil 1: Wie Plastikfrei im Familienalltag gelingen kann // Auswahl von Materialien

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Ein nachhaltiges und achtsames Familienleben lässt sich für mich nicht voneinander trennen. Besonders der achtsame Umgang mit unseren Kindern liegt mir dabei besonders am Herzen. Für mich persönlich habe ich dabei eine große Inspiration in Maria Montessori gefunden. Warum Montessori und Minimalismus dabei für mich so untrennlich zusammen gehören, möchte ich euch in der folgenden kleinen Blogserie erklären.

Angeregt durch die Diskussionen auf Social Media zum Jenke-Experiment und den schwerwiegenden Folgen von Plastik auf unseren Körper, möchte ich mit dem Thema Plastikfrei im Familienhaushalt starten.

Wie kleine Kinder die Welt entdecken

Kleinkinder (unter 6 Jahre) verfügen über die unfassbare Fähigkeit, alle Details ihrer Umwelt aufzusaugen. Maria Montessori nennt das „absorbierender Geist“ – die Grundlage der universellen Anpassungsfähigkeit des Menschen. Dass unsere Kinder alles um sich herum wie ein kleiner Schwamm aufsaugen, können alle Eltern selbst beobachten. Und wie von selbst möchten wir Eltern, diese Umgebung auch besonders gestalten. Was wir Eltern darunter verstehen, deckt sich allerdings nicht immer mit dem, was für unsere Kinder in dieser Lebensphase wichtig ist. Schönheit, Ordnung und Schlichtheit sind hier die Stichworte.

Ein dezent gestaltetes Kinderzimmer mit ruhigen Farben sorgt mit weniger Ablenkung im Hintergrund dafür, dass sich unsere Babys und Kleinkinder ganz den im Raum befindlichen Gegenständen und deren Erkundung widmen können. Und da Kinder unter 6 Jahre „sensorische Entdecker“ sind, ist es für sie besonders wichtig, aus welchen Materialien die Gegenstände in ihrer Umgebung sind.

Teller, Besteck und Geschirr funktionieren auch für Babys und Kleinkinder hervorragend aus Porzellan, Edelstahl und Glas.

Teller, Besteck und Geschirr funktionieren auch für Babys und Kleinkinder hervorragend aus Porzellan, Edelstahl und Glas.

Babys und Kleinkinder brauchen keine fantasieanregenden Spielzeuge

Kleinen Kindern fehlt noch die Imaginationskraft und das abstrakte Denken. Das bedeutet, dass Babys und Kleinkinder mit den fantasieanregenden Spielzeugen, die für diese Altersgruppe häufig angeboten werden, noch nichts anfangen können. Bevor Kinder sich mit etwa 6 Jahren anfangen der Abstraktionen zu bedienen, müssen sie also die konkrete Welt kennen lernen. (Ein Beitrag darüber, welche Materialen für Babys sinnvoll sind, folgt)

Das macht es für uns Eltern ziemlich einfach. Denn bei der Auswahl der Materialien im Baby- und Kleinkindalter brauchen wir uns nur unserer realen Welt zu bedienen. Das betrifft sowohl die Gegenstände für das alltägliche Leben, als auch Spielmaterialien. Der Weg ins überreizte Spielzeuggeschäft bleibt uns erspart.

Bei der Auswahl der Materialien, die unsere Kinder jeden Tag umgeben macht es daher durchaus Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, ob die Materialien hochwertig, schön und nachhaltig sind. Und ganz oft müssen wir als Eltern dafür keine extra für Kinder angefertigten Produkte neu anschaffen. Vieles haben wir schon zuhause.

Echtes Geschirr für Babys und Kleinkinder

Ein besonders schönes Beispiel ist die Auswahl des Geschirrs für unsere Kinder ab Beginn des Beikostalters. Viele Eltern machen sich Gedanken darüber, welches Geschirr wohl das Beste ist und greifen auf die Produkte der Babyindustrie zurück. Diese sind häufig aus Kunststoff, Bambus oder Edelstahl. All das braucht es nicht.

Reichen wir unseren Kindern echtes Geschirr und Besteck, spüren sie nicht nur viel besser ihre eigenen Bewegungen, sie lernen auch echte Wertschätzung durch uns Eltern kennen. „Ich vertraue dir und ich respektiere dich“. Es ist beachtlich wie vorsichtig Kinder mit echtem Geschirr umgehen und das schon ab Beginn. Auch wenn ein Teller oder Glas zu Bruch geht, lernen die Kinder daraus, den Materialien noch mehr Achtsamkeit zu schenken. Ganz im Gegenteil zu einem Plastikteller, der vom Tisch fällt. Der geht ja nicht kaputt, also kann ich ausprobieren, was passiert, wenn er nochmal runter fällt. Ein tolles Spiel – für dich Kinder, nicht für uns Eltern. Ich möchte alle Eltern an dieser Stelle ermutigen, ihren Kindern das nötige Vertrauen zu schenken.

Wenn es also um die Geschirr- und Besteckauswahl für unsere Kleinsten geht, macht es Sinn sich umzuschauen, was schon im Haushalt vorhanden ist und was eventuell noch ergänzt werden kann.

  • Für Babys und Kleinkinder bieten sich Porzellanteller und Schalen in kleiner Größe an. Gern auch ersetzbar, falls wirklich mal etwas runter fällt. Ein etwas erhöhter Rand erleichtert die Aufnahme der Nahrungsmittel mit dem Besteck.

  • Ein Edelstahlbesteck in Kindergröße oder bereits vorhandene Teelöffel und Kuchengabel ermöglichen schon den Kleinsten etwas selbst zu löffeln und auf die Gabel aufzuspießen. Ein kleines Buttermesser ermöglicht erste Erfahrungen beim Brote schmieren.

  • Ein kleines Schnapsglas liegt für erste Trinkerfahrungen bestens in der Hand und die Wassermenge im Glas lässt sich den Fähigkeiten anpassen.

  • Ein kleiner Krug gefüllt mit Wasser dient dazu, selbstständig das Trinkglas aufzufüllen.

  • Der Verzicht auf ein Lätzchen, lässt Kinder direkt spüren, ob beim Trinken und Essen etwas daneben ging.

Was den Alltag für uns Eltern einfacher macht

Dieses Beispiel der Auswahl von Besteck und Geschirr für unsere Kinder zeigt, wie wichtig sensorisch schöne Gegenstände für Kinder sind und lässt sich auf viele andere Bereiche im Familienalltag erweitern. Wenn wir als Eltern also über Anschaffungen für unsere Kinder nachdenken, lohnt es sich einen Blick in die eigene Realität zu werfen. Mit welchen Materialien umgeben wir uns gern? Braucht es für mein Kind eine extra Alternative – beispielsweise aus Plastik? Oder kann ich meinem Kind ermöglichen, seine Umwelt an konkreten, realen Alltagsgegenständen zu erfassen, die ich selbst auch gern nutzen würde?

Die Antwort ist meistens ganz einfach. Und hat den netten Nebeneffekt, dass wir als Eltern nicht übermäßig konsumieren und mit Leichtigkeit auf krankmachende Kunststoffe verzichten können. Damit fördern wir nicht nur die Entwicklung unserer Kinder, sondern schützen auch noch den Planeten, auf dem sie aufwachsen.

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